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Sitzen – ein unterschätztes Gesundheitsrisiko

Privat oder im Beruf: viele Menschen verbringen zu viel Zeit im Sitzen

Ob Zahntechniker, Schuster oder Optiker – auch im Handwerk gibt es viele Berufe, in denen Mitarbeiter überwiegend sitzen. Und auch viele Betriebsinhaber verbringen häufig mehr Zeit sitzend am Schreibtisch, als in Bewegung auf der Baustelle. Jeder Deutsche sitzt im Durchschnitt 7,5 Stunden täglich. Doch der menschliche Körper ist nicht für das Sitzen gemacht. Dauersitzen kann zur Entstehung vieler Krankheiten beitragen: Wenn der Körper sitzt, geht er auf Sparflamme. Der Kalorienverbrauch reduziert sich deutlich, das Blut zirkuliert langsamer, die Muskulatur ist inaktiv. Langfristig steigt dadurch das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall und das Gehirn ist weniger produktiv. Denn nicht nur körperlich, sondern auch geistig wirkt sich der Bewegungsmangel negativ auf die Leistungsfähigkeit aus. Trotzdem verbringt jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland quer durch alle Branchen den Arbeitstag am Computerarbeitsplatz. Das ging 2018 aus einer Studie des Branchenverbandes Bitkom hervor.

 

Ist Sitzen gefährlicher als Rauchen?

Bereits in den 1950er-Jahren zeigte eine Londoner Studie, dass Busfahrer ein doppelt so großes Risiko für einen Herzinfarkt hatten als ihre stehenden Schaffner-Kollegen. Der Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und häufigem, langem Sitzen wurde seitdem in verschiedenen Untersuchungen nachgewiesen. Eine andere Studie der Universität von São Paulo zeigt auf, dass 3,8 Prozent aller Todesfälle weltweit auf Sitzen zurückgeht. Schon ab drei Stunden pro Tag wirkt sich das Sitzen demnach ungünstig auf die Gesundheit aus. Teilweise wird Sitzen gar als „das neue Rauchen“ bezeichnet. Hintergrund hierfür ist eine Studie aus Australien aus dem Jahr 2008. Demnach verringert schon eine Stunde Fernsehen bei über 25-Jährigen die Lebenserwartung um 21,8 Minuten. Eine Zigarette dagegen soll das Leben „nur“ um elf Minuten verkürzen. Zudem wird Sitzen regelmäßig als eine der Ursachen von orthopädischen Problemen, Rückenschmerzen oder dem Karpaltunnelsyndrom angeführt. Es soll sogar die Entstehung von Krebs und Diabetes begünstigen. Zwar können solche Zusammenhänge nie monokausal erklärt werden. Trotzdem sollten Personen, die viel sitzen müssen, regelmäßig gezielt körperliche Aktivität suchen.

 

Möglichst wenig Sitzen

Zwei Minuten Bewegung für eine halbe Stunde Sitzen ist ein guter Richtwert. Die Einrichtung eines ergonomischen Arbeitsplatzes ist eine weitere sinnvolle vorbeugende Maßnahme. Wer keine körperlichen Beschwerden hat, kann in ganz alltäglichen Situationen Sitzen durch Stehen ersetzen – beim Telefonieren, im Bus, in Meetings oder am Bildschirmarbeitsplatz. Im Büro sind regelmäßige Haltungswechsel sehr empfehlenswert, sie fördern die Durchblutung der Beine und steigern die mentale Leistungsfähigkeit. So können Stehpulte oder höhenverstellbare Schreibtische für Abwechslung im Bewegungsablauf sorgen. Vorteil: Der Körper verbraucht im Stehen mehr Kalorien. Außerdem bewegt man sich automatisch ein bisschen mehr, allein schon durch die Verlagerung des Gewichts von einem Bein auf das andere. Allerdings ist es wichtig, korrekt und aufrecht zu stehen. Vermeiden Sie Hohlkreuzstellungen, sonst drohen Rückenschmerzen.

Weitere Informationen rund um das Thema Sitzen und Ergonomie am Arbeitsplatz finden Sie im IKK-Onlinemagazin Gesund.Machen.: www.ikk-classic.de/ergonomie-am-arbeitsplatz