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Snacken gegen den Stress?

Emotionales Essen: Diese Strategien können helfen.

Viele Menschen kennen es: Obwohl sie eigentlich gar nicht hungrig sind, greifen sie bei Stress zu ungesunden Lebensmitteln wie Chips, Schokolade oder Eis. „Emotionales Essen“ nennt man dieses Phänomen, viele kennen es als Frustessen oder Essen als Trostpflaster. Was steckt dahinter, wie geht man damit um und helfen gesündere Alternativen?
Zusammen mit dem Ernährungsexperten Achim Sam haben wir einige Tipps zusammengestellt.

Emotionales Essen – das steckt dahinter

Warum verspüren wir den Drang, negative Emotionen mit Essen zu kompensieren? „Dahinter stecken physiologische Mechanismen, die tief in uns verankert sind: Wenn wir etwas gegessen haben, geht es uns besser“, erklärt Achim Sam. Wenn man unzufrieden ist oder unter Druck steht, würden viele Menschen versuchen, das zu kompensieren und einen positiven Zustand herbeizuführen – und das gelinge kurzfristig eben recht einfach und schnell mit einem Stück Schokolade oder ähnlichem, so der Ernährungswissenschaftler.

Bei Stress oder anderen negativen Empfindungen ist der Pegel der „Stimmungshormone“ Serotonin und Noradrenalin sehr gering. Bedeutet: Stimmung und Antrieb sinken, und schnell kommt ein Gefühl der Überforderung auf. Gleichzeitig steigt das Stresshormon Cortisol im Blut. Der Körper reagiert nun darauf, indem er sich mit Energie versorgen will. Greift man nun zu fett- und zuckerhaltigen Lebensmitteln, entsteht ein Hochgefühl – allerdings nur kurz: Der Energiepegel sackt genauso rasch wieder ab.

Die Ursache erkennen

Den Auslösereiz zu identifizieren, ist entscheidend. Wodurch entsteht der Essimpuls? Ist das Stresslevel im Job gerade besonders hoch? Oder gibt es einen Beziehungskonflikt, der belastend ist? Hilfreich kann ein Stimmungstagebuch sein, in dem man dokumentiert, in welchen Situationen man – ohne hungrig zu sein – zur Tafel Schokolade greift, was dazu geführt und wie man sich danach gefühlt hat.

Einsicht zeigen

Das Essen lindert nur kurzfristig die Symptome, denn es überdeckt die dahinterliegenden Probleme nur. Schlimmer noch – isst man dauerhaft, ohne Hunger zu verspüren, können gesundheitliche Probleme entstehen. Statt zum Kühlschrank zu gehen, sollte man daher versuchen, die negativen Gefühle in positive Bahnen zu lenken.

Gesundes Essen ist besser, aber keine Lösung

„Die Nahrungsaufnahme an sich macht es nicht besser. Ein Apfel oder Vollkornprodukte helfen auch nicht dabei, das eigentliche Problem zu lösen“, erklärt Achim Sam. Gesündere Lebensmittel sind zwar für den Körper besser, doch auch hier liegt das Problem tiefer. Nicht das Essen selbst ist das Problem, sondern der Grund, warum man zum Snack greift: Stress, Frust, Anspannung.

Eine bessere Alternative als Essen finden

Anstatt zu Lebensmitteln zu greifen, sollte man Dinge und Tätigkeiten finden, die einem guttun. „Man muss versuchen, aus gewohnten Handlungsmustern auszubrechen und sich positiv aufzuladen – nicht über das Essen. Darum geht es“, sagt Achim Sam. Das funktioniere oft bereits über Gespräche mit Freunden, die einem Kraft geben oder auch über Motivationssprüche und Verse, die Zuversicht stiften. Um den Fokus vom Essen wegzubekommen, kann auch Bewegung hilfreich sein. Eine Frust-Laufrunde ist besser als eine Frust-Mahlzeit. Bereits kurze Spaziergänge sorgen dafür, den Kopf frei zu bekommen und Abstand zu gewinnen.

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Wie funktioniert Intervallfasten, was ist dran am Anti-Zucker-Hype und wie gesund ist Kaffee wirklich? In der IKK YouTube-Serie „Gutes Essen, schlechtes Essen“ gibt Ernährungswissenschaftler Achim Sam unterhaltsam und informativ viele weitere Tipps zum Thema Essen und Ernährung: www.youtube.de/ikk-classic

 

Quelle: IKK classic