„Der Gesellenbrief ist viel mehr als nur ein Stück Papier“
18 Junggesellinnen und Junggesellen werden durch Bäcker-Innung Fulda feierlich freigesprochen.
„Ihr seid die Gute-Laune-Macher des Alltags, ihr macht Menschen glücklich und froh – mit frischen Brötchen am Frühstückstisch, knusprigem Brot beim Abendbrot und einem süßen Stückchen für zwischendurch“, lobte Silke Eiter, stellvertretende Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft (KH) Fulda, die 18 frischgebackenen Bäckerinnen und Bäcker sowie Bäckereifachverkäuferinnen, die jetzt im Stadtgasthof „DREI LINDEN“ in Fulda-Neuenberg feierlich durch die Bäcker-Innung Fulda freigesprochen wurden und ihre Gesellenbriefe erhielten.
Obermeister Joachim Michel freute sich über das zahlreiche Erscheinen zu diesem Anlass: „Das zeigt auch den Stellenwert, den die Freisprechungsfeier bei den Bäckerinnen und Bäckern immer noch hat.“ Er begrüßte die neuen Gesellinnen und Gesellen mit ihren Familienangehörigen, die Vertreter der Ausbildungsbetriebe, ebenso Bernhard Faulstich, den Ehrenobermeister der Bäcker-Innung, den stellvertretenden Obermeister Klaus Möller sowie Isabel Herbert als Rektorin der Eduard-Stieler-Schule. „Der heutige Tag markiert einen der wichtigsten Momente in eurem Leben – nämlich den vom Übergang der Ausbildung ins echte, fertige Handwerk“, richtete er sich an die Absolventinnen und Absolventen.
Er dankte ihnen außerdem für ihre Ausdauer und ihr Durchhaltevermögen, die sie während der Ausbildung an den Tag gelegt hätten, und richtete sich ebenfalls dankend an alle begleitenden Personen, wie die Lehrerinnen und Lehrer, Prüferinnen und Prüfer sowie die Familien: „Gerade in schwierigen Zeiten während der Ausbildung ist es wichtig, dass man jemanden an der Seite hat, der einen da durchmanövriert und auch mal einen Stups gibt.“
In seiner Ansprache hob Joachim Michel hervor, dass das Bäckerhandwerk zu den ältesten der Welt gehöre. Schon im alten Ägypten habe es nachweislich professionelle Bäcker gegeben. Und zur Zeit Karls des Großen, als sich die ersten Städte bildeten, habe es einzelne gegeben, die sich auf das Backen spezialisiert und für den Rest der Gesellschaft das Brot gebacken hätten. „Diese lange Tradition zu erhalten und weiterzuentwickeln ist nun auch eure Verantwortung.“ Deshalb appellierte er an die jungen Fachkräfte, sich lebenslanges Lernen zu eigen zu machen und sich die Neugier und Wissbegierigkeit zu erhalten. Das Bäckerhandwerk ändere sich stetig – neue Technologien, neue Zutaten, aber vor allem neue Bedürfnisse der Kunden… All diesen wachsenden Ansprüchen müsse man gerecht werden. „Der Weg endet deshalb für euch heute nicht mit dem Gesellenbrief. Vielmehr ist es wichtig, weiter am Ball zu bleiben“, ermutigte er die Absolventinnen und Absolventen und wünschte ihnen für ihre persönliche Zukunft alles Gute.
Auch Silke Eiter beglückwünschte die Junggesellinnen und Junggesellen zu ihrem Erfolg: „Es ist großartig, was ihr geleistet habt auf dem langen Weg der Ausbildung, bei dem es mal bergauf, mal bergab und vielleicht auch mal ein Stück zurück ging. Ihr habt nicht nur einen Beruf erlernt, sondern ein echtes Handwerk.“ Sie alle hätten diesen Weg gemeistert und entsprechend dürfe man diesen besonderen Anlass durchaus feiern. Eiter bedankte sich außerdem bei den treuen Wegbegleitern der jungen Fachkräfte, darunter die Lehrerinnen und Lehrer, Ausbildungsbetriebe und Familien: „Alle Akteure sind wichtig im Zuge einer Ausbildung.“ Die 18 Junggesellinnen und Junggesellen könnten sich sicher sein, „ein wichtiger Bestandteil für die ganze Gesellschaft zu sein“, gab sie ihnen mit auf den Weg und rief sie dazu auf, sich dessen immer bewusst und stolz darauf zu sein. „Fachkräfte – das klingt nicht nur gut, das ist auch gut, denn Fachkräfte werden dringend gebraucht.“ Für die Zukunft wünschte sie ihnen alles Gute.
Isabel Herbert, Rektorin der Eduard-Stieler-Schule, wendete sich ebenfalls mit stolzen Worten an die neuen Fachkräfte und verglich das Herstellen eines guten Teigs mit dem Weg zum Gesellenstatus: „Wie ein Bäcker, der den Teig bearbeitet, braucht es auch während der Ausbildung Know-how, Durchhaltevermögen und gute Grundzutaten, die beim Bäcker eben Mehl, Hefe, Wasser und Salz sind.“ In der Ausbildung seien diese Zutaten Geduld, Hingabe, Fleiß, Neugier sowie die Bereitschaft zu lernen. „Ein gutes Brot muss durchgeknetet werden und das richtige Bearbeiten des Teigs braucht Übung, Ausdauer, Kraft und vor allen Dingen das nötige Fingerspitzengefühl.“ Manchmal müsse man den Teig auch in seiner Form brechen und das lasse sich auch auf die Ausbildungszeit übertragen, in der nicht immer alles auf Anhieb gelinge.
Doch sicher sei: „Am Ende hat man etwas Tolles in der Hand – ein leckeres Brot oder in diesem Fall den Gesellenbrief.“ Ein Teig reife, wachse und komme am Ende in den Ofen. Dort steige die Hitze, da müsse es gelingen – und so sei es auch vor den Prüfungen. Den Junggesellinnen und Junggesellen sei es gelungen, während ihrer Ausbildungszeit zu reifen, stärker zu werden und als Menschen zu wachsen. „Euer Gesellenstück ist kein Brot, sondern eure ganz persönliche Reise bis heute.“ Darauf könne man zurecht stolz sein. Isabel Herbert forderte die jungen Fachkräfte dazu auf, diesen Meilenstein nie zu vergessen: „Der Gesellenbrief ist viel mehr als nur ein Stück Papier. Er ist der Beweis für euer Können und das echte und wertvolle Handwerk, das ihr erlernt habt.“ Im Namen der Berufsschule ehrte die Rektorin außerdem Lea Seifert (papperts GmbH) und Marc Friesen (Riesen Friesen) für ihre erreichten Schulnoten und übergab ihnen dafür ein kleines Präsent sowie eine Urkunde.
Als Prüfungsbeste der Bäckerinnen und Bäcker wurden Johanna Kunetskyi (Gemeinschaft für Heilpädagogik und Sozialtherapie e.V.) und Marc Friesen (Riesen Friesen) durch die Innung ausgezeichnet.


