Kreishandwerkerschaft Diepholz/Nienburg

„Die wirtschaftliche Lage bleibt weiter deutlich angespannt“

Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), äußerte sich gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, erschienen im Handelsblatt, zu den Auftragseinbrüchen in der Baubranche:

„Von einer Rückkehr zu einer normalen Geschäftstätigkeit und Arbeit unserer Betriebe sind wir trotz aller Lockerungen noch weit entfernt. Die wirtschaftliche Lage bleibt für viele unserer Betriebe weiter deutlich angespannt, nicht zuletzt wegen Nachfragezurückhaltung und ausbleibender Aufträge.

Die begonnene Wiedereröffnung vieler Geschäfte und Betriebe ist ein erster wichtiger Schritt, zu spüren ist allerdings eine zum Teil noch starke Kundenzurückhaltung. Aufgrund der Hygienevorschriften dürfen zudem weniger Kunden in die Läden. Ein Konditor hat uns dieser Tage berichtet, dass es sich mit all diesen Regeln – mehr Abstand, weniger Fläche, hohe Desinfektions- und Schutzauflagen – für ihn nicht rechnet, seinen Laden zu öffnen.

Genau beobachten werden wir, ob gewerbliche Kunden und Abnehmer weniger handwerkliche Produkte und Dienstleistungen nachfragen, weil beispielsweise Produktionslinien durch die Unterbrechung der Lieferketten nur mit Verzögerung wieder anlaufen oder auch bei ihnen die Nachfrage von Kunden niedrig bleibt. Die Kommunen halten sich wegen einer immer angespannteren Kassenlage bei der Auftragsvergabe zunehmend zurück.

Wenn Aufträge ausbleiben oder sogar storniert werden, dann nützen alle Lockerungen nicht: Deshalb sind Aufträge von Privatleuten und der öffentlichen Hand zentral, damit das Wiederanfahren der Wirtschaft gelingt und unsere Handwerksbetriebe wieder mehr zu tun haben. Aufträge sind das A und O des Neustarts!

Der öffentlichen Hand kommt hier nicht nur bei der Auftragserteilung und -realisierung, sondern auch im Bereich der Verwaltung eine Vorbildfunktion zu. Öffentliche Dienstleistungen müssen funktionieren. Denn Aufträge allein helfen nicht, wenn etwa ein Gerüst nicht aufgestellt, ein Dach nicht ausgebaut, eine Straße nicht abgesperrt werden kann, weil die Genehmigung nicht bearbeitet wird.

Hier hören wir in den letzten Wochen eine Vielzahl von Klagen. Noch arbeiten vielerorts die Verwaltungen noch nicht wieder so, dass etwa Genehmigungen für Bauvorhaben erteilt werden, die jedoch zwingende Voraussetzung sind, damit unsere Betriebe arbeiten können.

Wenn auch jeweils in unterschiedlichem Umfang und differenziertem zeitlichem Verlauf, so erfassen die Corona-Folgen durchgängig alle Handwerksbranchen. Viele Unternehmen im Baubereich konnten und können noch ihren hohen Auftragsbestand abarbeiten, aber es zeichnet sich ab, dass nicht mehr hinreichend neue Aufträge hereinkommen und zu befürchten ist, dass hier die Konjunkturdelle erst noch bevorsteht.

Das Handwerk ist darauf angewiesen, dass wieder investiert und konsumiert wird. Dafür sind allerdings kurzatmige und branchenspezifische Nachfragestützungsmaßnahmen gänzlich ungeeignet. Sie bewirken bestenfalls ein kurzes Feuerwerk ohne nachhaltige Wirkungen, auf die es gerade jetzt besonders ankommt. Erforderlich sind statt dessen verlässliche Fahrpläne für Entlastungen bei Steuern und nicht zuletzt bei den Energiekosten.

Auch die bürokratischen Regulierungen müssen – beispielsweise bei Planungs- und Genehmigungsverfahren – substanziell zurückgeführt werden. Öffentliche Aufträge sind wo immer möglich vorzuziehen, zu beschleunigen und auszuweiten, gerade in den Bereichen Bildung und Digitalisierung. Für das vornehmlich regional aktive Handwerk ist von besonderer Bedeutung, dass über ein Sonderprogramm die kommunalen Investitionsmöglichkeiten gesichert und gestärkt werden.“

Quelle: Opens external link in new windowZentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)
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