Kreishandwerkerschaft Diepholz/Nienburg

Absetzbarkeit von Handwerkerrechnungen

 

Die Arbeitskosten für fast alle Renovierungsarbeiten an Haus und Hof können Privatkunden von der Steuer absetzen – pro Haushalt bis zu 1.200 Euro im Jahr.

Fraglich ist jedoch, wie mit Arbeiten umzugehen ist, die nicht beim Kunden selbst sondern in der Werkstatt des Handwerkers erbracht werden.

Die herrschende Meinung in der Rechtsprechung verlangt derzeit von dem Handwerksbetrieb, bei der Angabe des Lohnkostenanteils zu differenzieren, ob diese im Betrieb oder vor Ort beim Kunden angefallen sind. Begründet wird dies damit, dass nur der Lohnkostenanteil „vor Ort beim Kunden“ mit „haushaltsnah“ gemeint sind und daher unter das Gesetz über die Absetzbarkeit fallen. Es müsse sich um Leistungen handeln, die in unmittelbarem räumlichen Zusammenhang zum Haushalt durchgeführt werden und dem Haushalt dienen.

 

Dies ist aktuell entschieden für den Bau einer Haustür im Betrieb eines Tischlers, die dann vor Ort beim Verbraucher eingesetzt wurde: Nach Ansicht des Gerichts sei es unbeachtlich, dass die vom Handwerker zu erbringenden Leistungen Gegenstand eines einheitlichen Vertrages waren (Lieferung und Montage einer neuen Haustür) und ein Teil der Leistungen auf dem Grundstück der Kläger erbracht wurde.

Dies ist nicht der erste Fall dieser Art. Bereits 2016 hat das Finanzgericht Rheinland-Pfalz eine Steuerermäßigung für das Beziehen von Polstermöbeln in einer nahegelegenen Werkstatt des Handwerkers abgelehnt, weil die Leistung nicht „im Haushalt“ des Steuerpflichtigen erbracht wurde.

Folge: Der Handwerks-Betrieb differenziert bitte bei der Rechnung bitte wie folgt: Lohnkostenanteil im Betrieb: EUR….., Lohnkostenanteil beim Kunden: EUR…..

 

Achtung: Eine Schätzung kommt nicht in Betracht – bitte genaue Stundenanzahl bzw. genauen Betrag angeben.

Zum Schluss noch ein Tipp für den Kunden bzw. für dessen Steuerberater:

Die herrschende Meinung ist also klar – der Betrieb differenziert die Rechnung entsprechend.

Er kann aber dem Kunden sagen, dass er ruhig beide Lohnkostenanteile absetzen soll – bzw. dies seinem Steuerberater anraten: Denn es gibt eine – allerdings erst erstinstanzliche –  Entscheidung  des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg, das den  Steuerabzug in einem solchen Fall erlaubt hat (Az.: 12 K 12040/17).

Konkret ging es um ein Hoftor, das bei der Klägerin ausgebaut, in der Werkstatt des Tischlers repariert und anschließend wieder eingebaut wurde. Das Finanzamt wollte die Kosten für den Handwerker nicht anerkennen. Zu Unrecht, wie das Finanzgericht entschied. Zwar wurde ein Teil der Arbeiten nicht auf dem Grundstück erbracht, sondern in der Werkstatt, es genügt aber, wenn der Leistungserfolg in der Wohnung des Steuerzahlers eintritt. Die Leistung wird dann im räumlichen Bereich des Haushalts erbracht. Gegen das Urteil hat die Finanzverwaltung Revision beim Bundesfinanzhof eingelegt, daher ist es noch nicht rechtskräftig.

Betroffene Steuerzahler können dennoch von dem laufenden Verfahren profitieren.

Erkennt das Finanzamt die Kosten nicht an, kann gegen den Steuerbescheid Einspruch eingelegt und das Ruhen des Verfahrens beim Finanzamt beantragt werden. Zur Begründung sollte das Aktenzeichen beim Bundesfinanzhof genannt werden (Az.: VI R 4/18). Sie sollten dies dem Kunden empfehlen.