Bundesverband der Kreishandwerkerschaften

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„Wir müssen den Klimaschutz beherzter angehen“

„Wir im Handwerk sind DIE Klimaschützer. Wir setzen das um, worüber andere noch sprechen und anfangen zu planen“, so ZDH-Präsident Wollseifer zur „dpa“.

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer sprach mit Andreas Hoenig von der „dpa“ über die Notwendigkeit, beim Klimaschutz Ökonomie und Ökologie in Einklang zu bringen und mehr ökonomische Anreize etwa für Investitionen und Sanierungsvorhaben zur Energieeffizienz zu geben.

„Es ist existenziell, dass wir den Klimaschutz mehr ins Blickfeld rücken und beherzter angehen. Für das Handwerk sehen wir ein ganz beachtliches Marktpotenzial. Schon heute arbeiten etwa 450.000 Handwerksbetriebe mit fast 2,5 Millionen Mitarbeitern in knapp 30 Gewerken täglich in fast allen Bereichen an der Energiewende mit und setzen Umwelt- und Klimaschutz um, sei es im Ausbaubereich, an der Gebäudehülle, in der Anlagen- und Gebäudetechnik oder beim Netzausbau und bei der Mobilität. Wir sind die Klimaschützer. Wir setzen das um, worüber andere noch sprechen und beraten und anfangen zu planen. Umwelt- und Klimaschutz geht nur mit dem Handwerk. Dieses Marktpotenzial wird größer werden. Das macht deutlich, dass junge Menschen, denen der Umweltschutz wichtig ist, in den Berufen des Handwerks schon heute vielfältige Möglichkeiten finden, zur ökologischen Transformation beizutragen.

Anreize, um mehr Mittel für mehr Energieeffizienz einzusetzen

Wir brauchen mehr Anreize, damit Bürgerinnen und Bürger in Deutschland mehr Mittel für mehr Energieeffizienz einsetzen. Dann wird mehr an Energie und an Emissionen eingespart, indem die Häuser energieeffizienter werden, von der Solaranlage bis zur Wärmepumpe. In der letzten Legislaturperiode hat man kleine Schritte in die richtige Richtung unternommen. Die Schritte müssen jetzt größer und schneller werden.

Warum Kunden lange auf eine neue Heizung warten müssen: Das ist in der Tat schwierig. Das ist aktuell ein Thema der Materialbeschaffung und grundsätzlich eines der Fachkräftesicherung. Die Politik hat die Brisanz von zu wenig beruflich qualifizierten Fachkräften für unsere Gesellschaft und Wirtschaft nach meinem Eindruck immer noch nicht wirklich erkannt. Um all die Arbeiten zum Klimaschutz erledigen zu können, brauchen wir qualifizierte Fachkräfte: Wenn man etwa mehr E-Mobilität will, dann müssen entsprechend z.B. auch Ladesäulen aufgebaut werden. Soll Photovoltaik auf die Dächer, dann muss das installiert werden. Das gilt auch für die Gebäudesanierung, für den Einbau energieeffizienter Heizungssysteme und vieles mehr. Dafür brauchen wir qualifizierte Fachkräfte, die fallen aber nicht vom Himmel. Die müssen wir ausbilden.

Mehr Unterstützung für berufliche Bildung

Die berufliche Bildung müsse gestärkt werden. Die berufliche Bildung muss stärker unterstützt werden. Sonst haben wir in den nächsten drei bis vier Jahren eine massive Fachkräftelücke. Bei allen programmatischen Ankündigungen der Parteien in diesen Wochen wird die Bedeutung der Forcierung und Förderung der beruflichen Ausbildung viel zu wenig mit bedacht. Mehr Klimaschutz, mehr Energieeffizienz, mehr E-Mobilität, SmartHome, E-Health: Das alles wird es nur mit MEHR Handwerkerinnen und MEHR Handwerkern geben. Deshalb müssen die Parteien viel stärker auf den Schirm nehmen, dass sie im Bereich der beruflichen Bildung – auch finanziell – stärker einsteigen müssen, wenn die von ihnen in Aussicht gestellten Vorhaben und Pläne gelingen sollen.

Es kann nicht sein, dass die Ausbildungszentren im Vergleich zu anderen Bildungseinrichtungen immer noch so stiefmütterlich behandelt werden. Da muss von Bund und Ländern mehr in die Zukunft unserer jungen Leute investiert werden. Wir wollen auch, dass die Meisterprüfung in Gänze kostenfrei gestellt wird. Es kann ja nun nicht sein, dass man bis zum Ende des Studiums kostenfrei studieren kann – aber dass in der beruflichen Bildung diejenigen, die sich fortbilden wollen, dafür richtig bezahlen müssen. Das ist nicht fair. Und das muss sich ändern.“

Quelle: Opens external link in new windowZentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)
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