Bundesverband der Kreishandwerkerschaften

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„Mit kürzeren Wartezeiten ist erst einmal nicht zu rechnen“

In der „Bild am Sonntag“ nennt ZDH-Präsident Wollseifer die Ursachen für die derzeit langen Wartezeiten im Handwerk.

„Viele Betriebe finden trotz intensiver Suche einfach nicht genügend Fachkräfte. Die demografische Entwicklung und die vielen zusätzlichen Tätigkeitsfelder bei Energie, Klimaschutz, Wohnungs- und Netzbau werden das noch verschärfen. Mit kürzeren Wartezeiten ist erst einmal nicht zu rechnen“, erklärt ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer gegenüber der Bild am Sonntag.

Wie ist die allgemeine Auftragslage im Handwerk?

Die Auftragsbücher vor allem rund um Bau und Ausbau sind gut gefüllt. Die Arbeit geht dem Handwerk nicht aus – im Gegenteil: Bei all dem, was die neue Bundesregierung beim Klimaschutz, Wohnungsbau, den Erneuerbaren Energien vorhat, wird das ganz sicher noch mehr werden.

Eigentlich also beste Aussichten für den Handwerksbereich, wenn es ausreichend handwerklich qualifizierte Fachkräfte gäbe und sich die Materialversorgung wieder normalisierte. Leider kommen unsere Betriebe jetzt schon an Grenzen. Teils können sie gar nicht alles machen, was gewünscht wird, weil die qualifizierten Fachkräfte fehlen.

Wie lange wartet ein Kunde heute durchschnittlich auf einen Termin und wie war das im Vergleich dazu noch vor 5-10 Jahren?

Im Gesamthandwerk mehr als 9 Wochen, im Bau- und Ausbaubereich und bei den handwerklichen Industriezulieferern sogar noch deutlich länger. Das war vor 10 Jahren tatsächlich kürzer. Glauben Sie mir: Wir kämen sehr gerne schneller zu unseren Kunden. Aber viele Betriebe finden trotz intensiver Suche einfach nicht genügend Fachkräfte.

Die demografische Entwicklung und die vielen zusätzlichen Tätigkeitsfelder bei Energie, Klimaschutz, Wohnungs- und Netzbau werden das noch verschärfen. Mit kürzeren Wartezeiten ist erst einmal nicht zu rechnen.

Wie haben sich die Preise entwickelt und warum (allgemein für die Handwerksleistung, aber auch speziell für Material)?

Explosionsartig. Solche Preissprünge innerhalb so kurzer Zeit habe ich in meinem immerhin auch schon 40-jährigen Berufsleben noch nie erlebt.

Grund sind vor allem die deutlich gestiegenen Kosten für Energie, Kraftstoffe, viele Rohstoffe und Materialien. Und die gestörten Lieferketten. Wollen die Betriebe keine Minusgeschäfte betreiben, müssen sie diese gestiegenen Preise zumindest teilweise an die Kundinnen und Kunden weitergeben.

Wie schnell finden Handwerksbetriebe Lehrlinge? Welche Handwerksberufe sind am beliebtesten, wo findet sich kaum ein Azubi?

Das ist in jedem Ausbildungsberuf und in jeder Region unterschiedlich. So suchen wir bereits seit 2007 in Mecklenburg-Vorpommern Fachverkäufer bzw. Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk. Aktuell sind noch über 18.000 Ausbildungsstellen im Gesamthandwerk verfügbar.

Selbst in den großen Ausbildungsberufen, wie dem Kfz-Mechatroniker oder dem Anlagemechaniker Sanitär, Heizung und Klima werden deutschlandweit Auszubildende gesucht. Dabei bemühen sich viele Ausbildungsbetriebe über Facebook oder mit Sonderaktionen, wie einem Monatswagen, um neue Auszubildende.

Quelle: Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)
Bild: Robert Kneschke – stock.adobe.com

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