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Handy am Steuer – tödliches Abenteuer

Während die Autofahrerin mit dem Handy am Ohr telefonierte, kam ihr Kombi von der Straße ab und krachte frontal an einen Baum. Die 41-Jährige starb noch am Unfallort, der Freund erlebte den tragischen Vorfall live am Telefon. Geschehen Ende Februar im Landkreis Märkisch-Oderland und leider kein Einzelfall.

Über die Hälfte aller Autofahrer hantieren laut einer Forsa-Umfrage während der Fahrt mit den kleinen kommunikativen Geräten. Ein Kavaliersdelikt, meinen viele. Ist ja nur ein kurzer Blick – wird schon gutgehen.

Geht leider nicht immer gut! Jeder zehnte Verkehrstote ist nach einer Studie der Allianz Versicherung auf Ablenkung zurückzuführen. Die Sachverständigenorganisation Dekra warnt: Nur drei Sekunden aufs Smartphone geschaut, schon düsen die Fahrer mit Tempo 50 fast 42 Meter im Blindflug. Bei fünf Sekunden sind es fast 70 Meter. Sekunden, die über Leben und Tod entscheiden. Nicht immer ist Ignoranz die treibende Kraft. Oft wissen Autofahrer auch nicht, was man überhaupt darf.

Das ist erlaubt, das nicht
Paragraph 23 der Straßenverkehrs-Ordnung schreibt vor, dass elektronische Geräte wie Handy, Smartphone, Tablet oder Navi nur benutzt werden dürfen, wenn sie während der Fahrt weder aufgenommen noch gehalten werden, eine Sprachsteuerung oder Vorlesefunktion zur Anwendung kommt und zur Nutzung nur ein kurzer Blick erforderlich ist. Die elektronischen Geräte müssen also fest installiert sein, in einer Halterung stecken oder über eine Sprachsteuerung bedient werden.

Solange der Motor läuft, sind demzufolge vor allem Handy und Smartphone am Ohr tabu. Kein Telefonat, keine SMS, keine WhatsApp, kein Navigieren. Selbst das Wegdrücken des Anrufers ist untersagt. Das gilt auch in Autos mit Start-Stopp-Automatik beim Halt an der roten Ampel oder beim Stehen im Stau.

Wenig Einsicht, höhere Strafen
Weil bei vielen Autofahrern das Problembewusstsein noch immer fehlt und Kampagnen wie „#FingervomHandy“ des Bundesverkehrsministeriums und des Deutschen Verkehrssicherheitsrates allein nicht greifen, wurden die Strafen nochmals verschärft: Wer mit Handy oder Smartphone am Steuer erwischt wird, muss mit 100 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen.

Mit Gefährdung des Straßenverkehrs drohen bereits 150 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot. Bei Sachbeschädigung erhöht sich die Geldstrafe auf 200 Euro. Fahrradfahrer riskieren statt bisher 25 jetzt 55 Euro Bußgeld.

Auch die Versicherung bittet zur Kasse. Verursachen Autofahrer mit dem Handy am Steuer einen Unfall, kann die Kaskoversicherung aufgrund grober Fahrlässigkeit die Leistung kürzen. Und selbst wenn keine Schuld vorliegt, riskiert der Handy-Nutzer eine Teilschuld. Der Unfallgegner erhält in jedem Fall von der Haftpflichtversicherung die Entschädigung.

Quelle: www.kfzgewerbe.de
Bild: MEV Verlag GmbH